Den Mut haben, ausgetretene Pfade zu verlassen und Neuland zu betreten

Spitzennoten in Mathe? Fehlanzeige! Aber dennoch die Uni geschafft. Bereits in jungen Jahren als Personalleiterin das Human Resources Management von über 1.000 Mitarbeitenden verantwortet. Nach New York ausgewandert und dort ein Start-up-Unternehmen gegründet. Als Mutter von zwei Kindern immer voll im Berufsleben stehend. Madeleine Zbinden hat immer wieder ihre Komfortzone verlassen.
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| Madeleine Zbinden

Ganz wie es sich gehört – eine Lehre bei der lokalen Bank: sicher, solide und bodenständig. Das ist die Richtung, die die Eltern für ihre Tochter vorgesehen und organisiert haben – nur leider ohne Madeleine Zbinden. Denn sie hat sich ein Studium zum Ziel gesetzt und das geht nur mit einem Matura-Abschluss. Schon früh erkennt Madeleine, dass einem das Leben gerne und oft Widerstände und Herausforderungen in den Weg stellt.

Raus in die Welt – Salut, Holà und Hello

„Ausprobieren und herausfinden, was möglich ist“, sagt sie heute, „das habe ich schon früh gewagt. In der Schule, aber auch später bei der Studienwahl.“ Ein Lehrer bescheinigt der jungen Madeleine, ein Sprach- und Kommunikationstalent zu sein und ermuntert sie, auf das Gymnasium zu gehen. Gesagt, getan. Trotz heftigem Widerstand der Eltern, die Madeleine Zbinden gerne in die Banklehre gesteckt hätten.

Nach Abschluss der Matura entschliesst sich Madeleine Zbinden, die fremde Welt zu entdecken. Frankreich und Spanien sind die Ziele, um die beiden Sprachen zu lernen. Nach dem Motto „Sur le pont d’Avignon“ oder „nach Madrid ist nur der Himmel schöner“ genießt Madeleine die neugewonnene Freiheit und lernt die beiden Sprachen dank ihres Kommunikationstalents mit links. Zurück in der Schweiz fällt ihre Wahl des Studienfachs auf Wirtschaftswissenschaften und Arbeits- und Organisationspsychologie. Ihr Wunsch: sich in einem Fachgebiet zu vertiefen und ein Doktorat zu absolvieren. Die Bedingungen dafür sind ihr aber doch zu weit weg von der Praxis.

Statt Dissertation an der Uni zieht es Madeleine Zbinden in die unternehmerische Welt hinaus und sie startet nach dem Studium bei der Credit Suisse durch. Kurz nach ihrem Einstieg in der Bank übernimmt die junge Frau Verantwortung – zuerst im Kreditgeschäft und dann im Bereich Human Resources. Sie macht schnell Karriere und verantwortet das Human Resources Management für über 1.000 Mitarbeitende. „Wenn ich so zurückblicke, denke ich, was für ein Wahnsinn. Ich war ja noch so jung und stemmte diesen Riesenladen.“

Etwa zur gleichen Zeit begegnet sie Thomas. Sie arbeiten beide für die gleiche Bank und lernen sich dort kennen. Das junge Paar verliebt sich. Für Madeleine Zbinden kann es fortan nicht besser laufen. Beruflich übernimmt sie immer mehr Verantwortung, realisiert spannende Reorganisationsprojekte und macht weiter Karriere. Auch privat ist sie glücklich mit Thomas an ihrer Seite. Er aber hat andere Pläne, will Veränderung in seinem Leben und hat Sehnsucht nach der Ferne: Amerika ist sein Traum, dort will er unbedingt hin. „Mir wäre nie in den Sinn gekommen, auszuwandern“, sagt Madeleine Zbinden heute, „aber Thomas wollte das unbedingt – für mich war dieser Gedanke sehr reizvoll, obwohl ich meine ganze Karriere in der Schweiz hinter mir lassen musste. Und so setzten wir beide gemeinsam alle Hebel in Bewegung, bis es klappte. Anfangs 1999 flogen wir mit je zwei Koffern los Richtung Abenteuer auf einem anderen Kontinent. Raus aus Bern, rein in den Big Apple.“

Neustart jenseits des großen Teich

Irgendwo an einer Kreuzung in Manhattan, New York. Madeleine Zbinden schlendert die Strasse entlang. Es ist viel passiert, ihr ganzes Leben wurde umgekrempelt. Thomas hat eine Stelle als Expat in Manhattan bekommen. Sie hat noch keinen neuen Job, keine Karriere mehr. Familie und Freunde in der Schweiz. Alles auf Null. Kann das gut gehen? Was wird jetzt aus ihr? Wie soll sie beruflich Fuss fassen? Nur zuhause sitzen und warten, bis Thomas von der Arbeit kommt – das kommt für Madeleine Zbinden überhaupt nicht infrage.

Herausforderungen annehmen, sich aus der Komfortzone bewegen, proaktiv sein und sich engagieren – das hat sich bis jetzt immer bewährt, denkt sich die junge Frau. Gedacht, getan: Madeleine Zbinden aktiviert ihr Netzwerk, kontaktiert Weggefährten und Bekannte.

Sie läuft Markus über den Weg, ein Schweizer, der schon lange in New York lebt und wirkt. Markus ist mutig, ein Macher-Typ und er hat eine Vision: Die Entwicklung einer webbasierten Human Resources Software. Total verrückte Geschichte. Es ist 1999 und so etwas kennt man noch kaum. Aber Madeleine Zbinden ist begeistert von der Idee und sie gründet mit Markus und einem weiteren jungen, wilden Schweizer das Start-up Performancebase.

Nun heisst es: unternehmerisch denken. Bisher war Madeleine Zbinden Angestellte. Klar, immer in verantwortungsvollen Positionen und als „Entscheiderin“. Aber jetzt ein eigenes Unternehmen führen und dann mit dieser Idee: Webbasierte Software – ist IT ihr Thema? Human Resources ja, aber kann ich das überhaupt? Und wenn ja, wie? „Oh mein Gott, habe ich damals gedacht, wir brauchen Geld für den Anfang. Mindestens eine Million Dollar, oder so. Und wo soll das Startkapital herkommen?“ Fragen über Fragen, erinnert sich Madeleine Zbinden heute lachend. „Wir haben die ganz grossen Investoren einfach angesprochen. Ich bin damals fast gestorben vor lauter Aufregung“, sagt sie heute. Madeleine Zbinden hat es tatsächlich geschafft, das Startkapital über eine Venture Finanzierung aufzubringen. „Ich habe nicht nur das Geld beschafft. Ich habe vor allem gelernt, Mut zu haben und unsere Idee zu verkaufen. Und dass es sich lohnt, seine Vision zu verwirklichen und sich dafür zu engagieren. „If you are working on something exciting that you really care about, you don’t have to be pushed. The vision pulls you – dieses Zitat von Steve Jobs hat so viel Wahrheit“, sagt sie heute rückblickend.

Das Glück zu dritt – und die Karriere?

Was mit drei Personen und einer visionären Idee begann, entwickelt sich zu einer echten Erfolgsstory. Die Firma wächst innerhalb kürzester Zeit auf 30 Mitarbeitende. Und die kommen aus aller Herren Länder – Programmierer aus Indien, Projektmanagerinnen aus China, Jamaika und viele mehr. Madeleine Zbinden ist wieder gefordert: ein Multikulti-Team aus Amerika, der Schweiz, China, Indien und Nepal zu führen ist echt anspruchsvoll. Vielfältige Interessen und unterschiedliche Werte und Kulturen müssen unter einen Hut gebracht werden. Aber trotz aller kulturellen Unterschiede, eines vereint Mitarbeitende aus aus der ganzen Welt: Eine menschliche Führung, wie sie sie tagtäglich praktizierte und welche noch heute ihr Credo ist. Madeleine Zbinden sammelt in dieser Zeit viel Führungs- sowie internationale Change-Erfahrung und kommt auch mit dem für sie damals noch neuen IT- und Prozessmanagement in Berührung. Alles läuft rund.

Kurz nach der Jahrtausendwende 2000 tritt die nächste Herausforderung in Madeleine Zbindens Leben: Ihr erstes Kind, Tochter Janina wird geboren. Für Madeleine Zbinden ist schnell klar: sie will und kann beides, Mutter und Job. Schon nach vier Wochen geht sie wieder zurück in die Firma – in den USA nicht unüblich. Zugute kommt ihr, dass sie an der Firma beteiligt ist und frei über ihre Arbeitszeit verfügen kann. Morgens Homeoffice, nachmittags Büro. Was für viele erst jetzt in der Corona-Pandemie möglich ist, praktizierte sie schon vor 20 Jahren. „Und hin und wieder gab ich Produktschulungen und hatte meine Tochter im Baby-Björn mit dabei“, erinnert sie sich.

Kurz vor 9/11 zieht es die beiden wieder zurück in die Schweiz. Auch wenn schon von Anfang an klar war, dass sie nach ein paar Jahren wieder zurück wollen, ist es nicht ganz einfach. Sie arbeitet von der Schweiz aus für das Start-up weiter. Doch dann kommt der Terror nach New York und hat auch für das Unternehmen Auswirkungen: kurz nach 9/11 wird der Geldhahn zugedreht. Sie sagt: „Die Wirtschaft kam, ähnlich wie heute mit Corona, zum Stillstand. Wir mussten vielen Mitarbeitenden kündigen und die Firma runterfahren. Ein einschneidendes, prägendes Ereignis.“

Power-Frauen im Doppelpack

Sie geht in ihre angestammte Bank zurück, in Teilzeit. 2003 wird dann Sohn Sean geboren.
Schnell realisiert sie, dass die spannenden Aufgaben und Posten an ihr vorbeigehen: „Auch mit sehr guten Qualifikationen und viel Erfahrung wirst du als Teilzeit-Mitarbeiterin mit Kindern in vielen Unternehmen nicht gefördert.“ So spannt Madeleine mit ihrer Arbeitskollegin Margrith zusammen. Gemeinsam erstellen sie ein Job-Sharing Konzept und es gelingt den beiden, gemeinsam anspruchsvolle HR- und Transformationsprojekte zu begleiten. Madeleine Zbinden erinnert sich: „Wir waren Exotinnen mit unserem Modell, wechselten das Unternehmen im Doppelpack und bekamen immer sehr gute Angebote von nahmhaften Unternehmen.“

2007 wagen die beiden Power-Frauen gemeinsam den Sprung in die Selbstständigkeit. Sie gründen ihre eigene Beratungsfirma – und sind erfolgreich. Vermutlich, weil sie ein eingespieltes Team sind und schon beste Referenzen vorweisen können. Nach sieben gemeinsamen Jahren entschliessen sich die beiden Unternehmerinnen, eigene Wege zu gehen. Margrith zog es zurück in eine Festanstellung als HR Leiterin. „Von da an war ich plötzlich alleine unterwegs. Keine Sparringspartnerin mehr, alles allein machen und entscheiden. Das war für mich nicht einfach, zumal wir uns von der Persönlichkeit und den Kompetenzen her ideal ergänzten. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich noch heute eine sehr gute Beziehung zu meiner früheren Geschäftspartnerin habe. Mit Margrith bespreche ich noch heute wichtige berufliche, aber auch Lebensfragen“, erzählt Madeleine Zbinden.

Die Zukunft gehört den Mutigen

Seit 2013 ist Madeleine Zbinden nun als alleinige Geschäftsführerin, Sparringpartnerin und Coach in verschiedenen Organisationen erfolgreich unterwegs. In den letzten Jahren hat sie viele spannende und herausfordernde Mandate im Bereich Change, Human Resources und IT begleitet. Auch als Trainerin und Dozentin war und ist sie an Fachhochschulen sowie in verschiedenen Unternehmen tätig.

In die Zukunft blickt Madeleine Zbinden positiv. Trotz oder gerade wegen der aktuellen Situation durch die Corona-Pandemie. Einerseits macht sie das menschliche Leid, das mit dieser Krise einhergeht, sehr betroffen. Anderseits sieht Madeleine Zbinden in den neuen Herausforderungen viel Entwicklungspotenzial, persönlich und im Business. Die Herausforderung sich neu zu organisieren, neue Arbeitsweisen auszuprobieren oder neue Lösungen zu entwickeln – das alles ist für Madeleine Zbinden nichts Neues. Sie sagt: „Der Wandel ist das eigentliche Momentum der Krise: Die Entscheidung für einen neuen, anderen Weg. Wir alle müssen bereit sein, die Komfortzone zu verlassen und Mut entwickeln, Neues auszuprobieren. Als Individuum, als Gesellschaft, als Unternehmen. Und ich freue mich darauf, als Unternehmerin ein Teil davon zu sein und als erfahrene Beraterin und Coach Unternehmen und Führungskräfte auf diesem Weg zu begleiten.“


Madeleine Zbinden

Madeleine Zbinden ist Expertin für Organisationsberatung und begleitet Fach- und Führungsverantwortliche verschiedener Branchen und Unternehmen durch Veränderungsprozesse. Sie verbindet ihre langjährige, internationale Erfahrung aus zahlreichen Veränderungsprojekten mit ihren interdisziplinären Kompetenzen aus Betriebswirtschaft, Psychologie und Pädagogik.

Madeleine Zbinden ist Sparringspartnerin, Coach und Macherin. Sie gibt Impulse, eröffnet neue Perspektiven und initiiert und begleitet Veränderungen. Immer in ihrem Fokus: achtsamer Umgang mit Ressourcen und ein klarer Blick auf das Machbare – gepaart mit Bodenhaftung, Mass und Leidenschaft.

www.zbinden.coach



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