Der Club der lebenden Toten – ist eigentlich noch jemand im Clubhouse?

Corona. Langeweile. Ausgangssperre. Da kam das exklusive Clubhouse gerade recht. Hier tummelten sich Leute, die etwas zu sagen hatten – InfluencerInnen, Prominiente und ExpertInnen ihres Fachs. Und nun? Die einzigen, die hier noch „netzwerken“ sind die Spinnen in der Ecke und vielleicht treffen sich hier und da ein paar Wollmäuse zum Diskutieren. Was ist passiert? Jeder wollte rein und mitreden – es wurde sogar richtig viel Geld geboten, nur um eine der begehrten Einladungen zu erhalten. Und nun? Alles vorbei?
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Die Luft ist raus – wer hoch steigt, fällt tief

Die Meldung im Mai, dass die Clubhouse-App jetzt auch auf Android-Geräten zur Verfügung steht, entlockte vielen nur ein müdes Gähnen. Die App war längst vergessen… Kaum vorstellbar, wenn man daran denkt, was für einen Hype sie noch am Anfang des Jahres ausgelöst hat. Raketenartig schoss Clubhouse in die Höhe und wurde zum Medium Nummer eins. Jeder wollte in den Club – die Angst etwas zu verpassen war groß. Prominente Nutzer, spannende Gesprächsrunden und ein paar kleine Skandale, hier war immer etwas los. Doch je höher der Aufstieg, desto tiefer der Fall. Traf das Clubhouse-Konzept im Januar noch einen Nerv und sorgte für Abwechslung und Entertainment im tristen Corona-Blues, kräht heute kein Hahn mehr danach. Welche Faktoren führten dazu, dass der App die Luft ausging?

Zeitfresser und Wiederholungen in Dauerschleife

Die Cafés haben wieder offen, das Sommerwetter lockt nach draußen und auch das Reisen ist wieder möglich – wer möchte da seine Zeit in einem stickigen, dunklen Clubhouse verbringen? Die App beansprucht viel Zeit, die jetzt keiner mehr hat oder sich keiner mehr nehmen möchte. Und wie auch das TV-Programm im Sommer auf ständige Wiederholungen setzt, waren auch die Geschichten im Clubhouse zunehmend die gleichen. Gespräche, die sich im Kreis drehen, haben nun mal keinen Spannungsbogen. Sie ähneln vielmehr der immer gleichen Bandansage, die nicht müde wird, darum zu bitten, in der Leitung zu bleiben. Auch im Clubhouse waren die interessanten Geschichten schnell erzählt und dann gab es nichts Neues mehr, immer die gleichen Argumente und Themen kamen auf den virtuellen Tisch. 

Hereinspaziert – der Türsteher hat Feierabend

Nur noch 2 Plätze frei, exklusiv nur für Mitglieder mit Einladung. Eine künstliche Verknappung weckt erfahrungsgemäß Begehrlichkeit und die Menschen werden nervös, wenn sie das Gefühl haben, etwas zu verpassen. Clubhouse spielte mit diesen Emotionen. Noch dazu sah man in den Profilen der Mitglieder, wen diese zur App eingeladen haben – wer ausgewählt wurde, erfolgte also mit Bedacht. Der „Türsteher“ vor dem Clubhouse prüfte ganz genau wer rein darf und wer nicht. Die, die draußen bleiben mussten, drückten sich die Nase an der Scheibe platt. Auch das hat sich geändert, der Türsteher hat Feierabend und jetzt darf jeder ins Clubhouse rein, der will. Die Exklusivität ist verloren gegangen – vom Nobelclub zur Dorfdisco.

Die Sache mit dem Datenschutz…

Schon zum Start der App hatte Clubhouse nicht gerade den Ruf, absolut sicher zu sein. Es gab viel Kritik zum Datenschutz und erst kürzlich gab ein gewisser „GOD“ aus dem Darknet an, er habe 3,8 Milliarden Telefonnummern aus der App gehackt – ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht oder hier nur jemand nach Aufmerksamkeit sucht, ist noch nicht bekannt. Aber klar ist, dass Clubhouse sich in Sachen Datenschutz nicht mit Ruhm bekleckert hat und sich hier deutlich verbessern muss, wenn neue User kommen bzw. alte bleiben sollen.

Ein paar nette Erinnerungen oder Comeback?

In Erinnerungen schwelgen hat durchaus seine positiven Seiten – das letzte Konzert auf der Abschiedstour der Band war unvergesslich und man erinnert sich gerne daran. Wird es mit Clubhouse ähnlich sein? Erinnern wir uns noch an die schönen virtuellen „Kneipenabende“, an denen wir tolle Gespräche auch mit völlig Fremden hatten, oder gibt es vielleicht sogar eine Comeback-Tour? Warten wir es ab.