Was bedeutet Erfolg? – Wie Zeit zum wertvollsten aller Geschenke wurde

Er ist groß, er ist kantig, er ist Tatortreiniger. Beim ersten Blick auf Marcell Engel wird deutlich hier steht ein „echt krasser Typ“ vor einem. Er gründete bereits mehrere erfolgreiche Unternehmen, gibt Interviews in Zeitungen, tritt im Fernsehen auf, steht auf der Bühne, ist glücklicher Familienvater mit vier Kindern. Das Leben, das er heute führt, verdankt er nicht zuletzt einem gravierenden Perspektivwechsel in seinem Leben.
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| Marcell Engel

Der Startschuss in ein neues Leben

Die Sonne ist längst untergegangen, die Mitarbeiter haben das Büro verlassen, ein Blick auf die Uhr verrät, es ist 21:30 Uhr. Ein ganz normaler Tag im Leben des 20-jährigen Marcell Engel. Und Tage wie diese bestimmten weitere zehn Jahre seinen Alltag. Er gönnte sich keine Pause, kaum Erholung und erst recht keine Urlaube – um genau zu sein waren es in diesem Zeitraum nur zwei. Er wollte beruflich erfolgreich sein, finanziell etwas erreichen. Immer höher, schneller, weiter. Doch dann beginnt sein Körper zu streiken. Ständig kam es zu Problemen und im Rückblick sagt Marcell Engel: „Ich habe richtig gemerkt, dass es mir schlecht ging. Und habe aus heutiger Sicht unterbewusst auch gewollt, dass es mir schlecht geht. Meine Psyche und meine innere Kommunikation haben mir gesagt, jetzt musst du die Notbremse ziehen.“ Damals hat er noch gar nicht richtig verstanden, was da eigentlich passiert ist, schließlich liefen die Geschäfte, das Vermögen wurde stetig mehr und im Grunde war alles wunderbar. „Und dann habe ich eines bemerkt, und seitdem ist alles wirklich komplett anders“, erzählt der Unternehmer.

„Zum ersten Mal habe ich mich gefragt, warum ich das überhaupt alles mache. Und vor allen Dingen in dieser Intensivität. Warum ich so unglaublich viel Zeit und Engagement in meine Arbeit investiere.“ Plötzlich musste er sich eingestehen, dass sein Erfolgsprinzip nun zu Lasten seiner körperlichen und seelischen Gesundheit ging und etwas in seinem Leben ganz und gar nicht in Ordnung war, obwohl er materiell zu diesem Zeitpunkt, alles erreicht hatte, was er wollte. „Ich habe gemerkt, dass es in meinem Kopf nicht weitergeht. Dass ich irgendwie in einem kleinen Mikrokosmos gefangen war“, erinnert sich Marcell Engel. Er gründete zwar immer wieder neue Unternehmen, aber diese waren auch nur Kopien von dem, was er schon meisterlich beherrschte. „Ich habe mich hinterfragt, gedacht, dass es noch mehr geben muss. Und habe das erste Mal bewusst wahrgenommen, dass ich mich selbst in meinem Fleiß und in meinem gesamten Schaffensdrang komplett vernachlässigt habe.“ Er hat sich in den gesamten zehn Jahren des intensivsten Arbeitens nicht einmal die Chance gegeben, sich weiterzuentwickeln. „Ich habe überhaupt nicht mehr zugelassen, mich in Dinge, die mich extrem interessiert haben, zu vertiefen.“ Er hatte schlichtweg keine Zeit und andere Prioritäten gesetzt. Es fasste den Entschluss, dass sich endlich etwas ändern muss denn weitere zehn Jahre würde er das nicht mitmachen. Es war zwingend notwendig wieder das für ihn Wichtigste in den Fokus schieben: Zeit für sich selbst und Zeit für andere Menschen.

Langjährige Wegbegleiter ziehen lassen

Sein damaliger Bekannten- und Freundeskreis war ein Spiegel seiner eigenen Persönlichkeit, die er nun gänzlich verändern musste und wollte. „Alle Menschen, die um mich waren, hatten ähnliche Ziele. Bei vielen lag wie bei mir der Fokus auf Geld." Die Gespräche drehten sich in erster Linie um das Business und darum, wie man das hart verdiente Geld vermehren konnte oder es am besten ausgab. Viele sagten nach seinem Beschluss etwas zu verändern: „Marcell, überleg dir sehr genau, was du machst. Du wirst unfassbar reich mit dem, was du machst und wie du es machst.“ Aber Geldverdienen war nicht mehr das, was Marcell Engel priorisierte, er wollte nicht mehr immer noch eine Schippe drauflegen, sondern seine Zeit endlich sinnvoll für sich und andere einsetzen, das Zwischenmenschliche wieder mehr pflegen und sich nicht nur mit „Business-Leuten“ umgeben. Auch wenn diese noch so bodenständig waren. Über die Jahre hinweg ist er den schmerzhaften Schritt gegangen, immer mehr Bekannte, ja sogar langjährige Freunde ziehen zu lassen, weil ihre Denkweise nicht mehr die seine war.

Eine bereichernde Begegnung

Auch wenn das Loslassen von Freundschaften kein leichter Weg war, so lernte Marcell Engel auch zahlreiche Menschen kennen, die sein Leben bereicherten. Ein Mann, der ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist, hat in gelehrt, dass es immer eine positive Perspektive auf Leben gibt. „Ich traf diesen Mann bei einer Tatortreinigung. Seine Frau beging Suizid, er selbst war nach einem Unfall querschnittgelähmt und saß im Rollstuhl. Ich dachte, ich treffe jetzt einen verbitterten älteren Herrn, der aufgrund der harten Schicksalsschläge sein Leben bereits aufgegeben hatte.“ Doch das Gegenteil war der Fall. Der Psychologieprofessor strahlte eine Ruhe und Zufriedenheit aus, die Marcell Engel zum Staunen brachte. Er erzählte, dass seine Frau sich zwanzig Jahre um ihn kümmerte, wie sich ihre Beziehung verändert hatte und dass schließlich der tragische Tag kam, an dem sie an Krebs erkrankte und sich kurz nach der Diagnose das Leben nahm. „Er hat mir gezeigt, dass jeder in jedem Augenblick sein Leben selbst gestaltet, indem wir das, was wir denken als unsere gelebte Realität wahrnehmen. Und dieser Mann war nie unglücklich. Er sagte: ‚Na ja, ich konnte halt 42 Jahre lang normal laufen und dann konnte ich es halt von heute auf morgen nicht mehr.‘“

Marcell Engel war beeindruckt von dieser positiven Lebenseinstellung. Davon, dass dieser Mann nie auch nur daran dachte, das Negative in den Mittelpunkt zu stellen, sondern immer das beste aus seiner Situation machte. Genauso wie er es machen wollte.

Zum Lebensgewinner werden

Vergiss dich nicht selbst – so könnte ein Credo von Marcell Engel lauten, dass er aus den letzten Jahren gewonnen hat. Ob als Unternehmer, Vater, Ehemann oder Freund – in all diesen Rollen pflegte er stets die zentralste Beziehung, die zu sich selbst. „Das Wichtigste und Wesentlichste überhaupt ist, dass wir erst mal mit uns im Reinen sein müssen. Dann können wir anderen so viel mehr schenken. Es ist so unglaublich, was du Menschen dann geben kannst.“ Er selbst liebt es, andere Menschen zu beschenken und die Dankbarkeit, die er dadurch erfährt, ist für ihn selbst das allergrößte Geschenk. Durch seinen Fokuswandel legt er selbst jedem ans Herz, einmal über die Wertigkeit von Geld nachzudenken: „Man kann sich selbst etwas Gutes tun, sich etwas leisten, Wünsche erfüllen. Man kann das Geld aber auch dafür einsetzen, es anderen Menschen gutgehen zu lassen. Und das habe ich ab dem Augenblick gemacht.“ Er stellte das Konzept für seine Angestellten um, und beteiligte sie mehr am Erfolg des Unternehmens. „Ich habe vieles anders gemacht und wollte einfach nicht mehr, dass Geld in meinem Leben eine Hauptrolle spielt. Nachdem ich das begriffen hatte, war ich eigentlich nur noch viel erfolgreicher.“ Zahlen spielen heute für ihn nur noch eine Nebenrolle, er misst seinen Erfolg in Zufriedenheit und Zeit.

Heute macht er ganz bewusst viermal im Jahr mit seiner Familie Urlaub. „Natürlich nicht ganz ohne Arbeit, aber das ist für mich kein Arbeiten, sondern eine Herzensangelegenheit und die beschäftigt mich natürlich auch im Urlaub“, fügt er lächelnd hinzu. Und diese Zeit kann er jetzt auch viel entspannter genießen, denn im Gegensatz zu früher hat er eine Sorge weniger. „Ich habe mir an einem der schönsten Orte der Welt doch tatsächlich Gedanken darüber gemacht, ob irgendein Arschloch bei mir einbrechen könnte und meine Uhren klaut. Da war ich im Paradies, um dann festzustellen, dass ich Angst um mein Hab und Gut habe. Da muss man schon ein bisschen Banane sein? Und in diesen Momenten habe ich auch wieder gemerkt, alles klar, ich brauche ganz dringend eine neue Ausrichtung."

Was, wenn es nicht mehr läuft?

Als Marcell Engel begann, seine Zeit wieder mehr für sich selbst und andere, anstatt für die Arbeit zu nutzen, war er auch mit einigen Ängste konfrontiert, wie er offen zugibt:„Die größte Angst war, dass alles, was ich aufgebaut habe, nicht mehr so läuft, wenn ich mich nicht mehr mit dem gleichen, unverhältnismäßigen Maß an Engagement eingebracht hätte.“ Neben der Angst ums Business war er sich auch bewusst, dass er viele Bekannte verlieren würde und alleine dastehen könnte. …Alleine und dann geht das Business auch noch den Bach runter, nur weil der Unternehmer sich zurücknimmt. Doch keine dieser Befürchtungen ist eingetreten, nicht zuletzt, weil Marcell Engel sich auf das Positive konzentrierte.

„Heute kann ich sagen, dass diese Veränderung mein Leben wertvoller gemacht hat. Ich bin stärker aus dieser Krise hervorgegangen, ich weiß jetzt viel mehr zu schätzen, was ich alles habe.“ Beruflich weiß Marcell Engel wie schrecklich die Schicksale hinter manchen Tatorten sein können und wie schnell es auch vorbei gehen kann, weshalb er jeden Tag wieder Freude für alltägliche Dinge entwickelt. „Ich bin für mich heute sauzufrieden, bin überglücklich, dass ich selbstbestimmt leben darf und kann und weiß auch, woher das kommt. Mittlerweile sehe ich das Leben viel mehr als Geschenk und freue mich eigentlich immer auf die nächste Kiste, die ich auspacken darf, auf die nächste Erkenntnis, die ich für mich gewinnen darf, auf die nächste spannende Lebenssituation, die ich zu meistern habe, mit allen Höhen und Tiefen.“

Da geht noch was …

Marcell Engel ist selbst das beste Beispiel dafür, dass es lohnt, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Genau dazu möchte er zukünftig weiterhin andere Menschen inspirieren. „Ich will mit meinen erlebten Geschichten andere mitnehmen, sie begeistern, zum Staunen und Nachdenken anregen. Das ist meine Vision, das ist das, was ich machen möchte und das werde ich auch durchziehen und zwar mit aller Hingabe.“


Marcell Engel

Marcell Engel ist seit mehr als 25 Jahren Tatortreiniger und hat in seiner Berufslaufbahn viele menschliche Schicksale erlebt. Um daran nicht „kaputt zu gehen“ hat er eine Technik entwickelt, mit diesen Ereignissen umzugehen und Positives für sich und andere daraus zu ziehen. Dieses Wissen gibt er in seinen Vorträgen weiter. Er beleuchtet unter anderem die Themen Selbstachtsamkeit, Glück, Lebensqualität und aktives Handeln. Seine Vorträge sind stets mit einem eigenen Erlebnis aus der Tatortreinigung verbunden und vermitteln so auf eindrucksvolle und spannende Weise, wie sich der Blick auf das Leben ändert.  

www.marcellengel.com