Was passiert ist wichtig, aber noch wichtiger ist, was man daraus macht.

Dieser Satz spiegelt eine tiefe Überzeugung von Walter Kohl wider. Die meisten Menschen haben ihr Päckchen zu tragen, manchmal schwerer, manchmal leichter. Neben Wissen und Ausbildung sind es vor allem unsere persönlichen Erfahrungen, die uns formen und bestimmen, wie wir die Welt sehen, welche Entscheidungen wir treffen, wieviel Mut und Souveränität wir verspüren. Doch was tun, wenn die eigene Vergangenheit, wenn Trauer oder Schmerz einen schier zu erdrücken scheinen? Was tun, wenn es keine Zukunft, keine Hoffnung zu geben scheint?
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Walter Kohl

Walter Kohl kennt solche Situationen und erreichte die Grenzen seiner Kraft und Möglichkeiten. Der Suizid seiner Mutter im Juli 2001, der Horror der CDU-Parteispendenaffäre, das Zerbrechen seiner ersten Ehe; zusammen drei Ereignisse, die in weniger als zwei Jahren sein altes Leben und seine damaligen beruflichen Perspektiven zerstörten. Nach einem gescheiterten Suizidversuch dann die Erkenntnis, dass es neben den klassischen Reaktionsmustern wie Kampf, Aushalten oder Flucht auch eine andere Lösung für biographische und berufliche Probleme geben muss.

Ein Lebensweg beginnt …

Walter Kohl wurde 1963 als ältester Sohn von Hannelore und Dr. Helmut Kohl in ein extrem politisches Umfeld geboren. Mit Beginn der RAF Terroranschläge in den Siebzigerjahren jedoch wurde aus dem bisherigen Idyll ein „Gefängnis mit Schulanschluss“, wie er es häufig formulierte. Aufgrund der immer steileren politischen Karriere des Vaters wurde die Familie in die höchste Gefährdungsstufe eingeordnet mit massiven Auswirkungen auf alle Familienmitglieder. Das Zuhause in Oggersheim wurde zu einer Hochsicherheitsfestung. Wie die Ringe einer Zwiebel zogen sich mehrere polizeiliche Verteidigungslinien mit Wachhunden und Maschinenpistolen um das Haus. Hunderte von Morddrohungen führten zu Abstoßungsreaktionen des Umfelds, sei es in der Schule oder in Sportvereinen. Über Jahre gab es keine Spielkameraden, dafür aber Mobbing, physische und psychische Gewalt und Ausgrenzung in der Schule durch Lehrer und Mitschüler. Dies und besorgte Eltern führten dazu, dass die Familie immer mehr isoliert lebte. Ein Albtraum für einen heranwachsenden Jungen, der gerne wie seine Schulkameraden unbeschwert und frei gelebt hätte. Der bewaffnete Personenschutz, der die Söhne zur Schule begleitete, machte die Isolation nicht besser.

„Wer bin ich, wie will ich sein? Und wie werde ich frei?“ Diese Fragen wurden zu Treibern seines Lebens. Ein schier erdrückendes Umfeld mit seinen Urteilen und Vorurteilen zwangen den jungen Walter Kohl, nach den Vorgaben anderer zu leben und oft wie ein Roboter zu funktionieren. Er fühlte sich zunehmend als Opfer, haderte mit seinem Schicksal und floh 1984 schließlich förmlich in die USA, wo er am Harvard College ein Studium der Volkswirtschaft und Geschichte abschloss sowie seine beruflichen Anfänge im Investment Banking an der Wall Street erlebte.

Papa, ist das Leben schön?

1994 kehrte er nach zwei weiteren Studienabschlüssen nach Deutschland zurück und begann eine Karriere als Manager in Großunternehmen. Doch wieder stellte sich ihm das Schicksal in Form der CDU-Parteispendenaffäre 2000 und 2001 in den Weg. Wie ein Tsunami brach diese über die Familie herein und es waren erneut die politischen Aktivitäten seines Vaters, die sein Leben tiefgreifend beeinflussten. Seine eigene berufliche Karriere wurde jäh gestoppt. Headhunter sagten ihm damals, dass er „nicht vermittelbar aufgrund seiner Herkunft sei.“ Er stand vor dem beruflichen Aus. Am 5. Juli 2001 nahm sich seine Mutter, auch unter dem Eindruck der Parteispendenaffäre, in seinem Kinderzimmer das Leben. Zeitgleich zerbrach seine erste Ehe. Sein soziales Umfeld löste sich auf, kaum mehr als eine Handvoll Menschen bekannten sich noch zu ihm.    

„Unschuld schützt vor Strafe nicht“, so seine bittere Erkenntnis dieser Jahre. Wie sollte es weitergehen? Sollte es überhaupt weitergehen? An diesem Tiefpunkt seines Lebens, keine 2 Wochen nach dem Suizid seiner Mutter, saß Walter Kohl mit seinem kleinen Sohn im Auto auf dem Weg zum Kindergarten, als ihn plötzlich eine Frage wie aus dem Nichts aus dem Kindersitz auf der Rückbank erreichte.

„Papa, ist das Leben schön?“ Eine Frage, so einfach und dennoch tiefgründig, wie sie nur Kinder stellen können. Die Frage traf Walter Kohl mitten ins Herz. Und rüttelte ihn auf. Ihm wurde überdeutlich bewusst: „So kann es nicht mehr weitergehen. Mach Schluss oder fang komplett neu an.“ Doch was tun?

… trotzdem ja zum Leben sagen

Schicksal? Fügung? Zufall? In dieser Zeit stieß Walter Kohl auf Viktor Frankl und las sein Buch „Trotzdem ja zum Leben sagen“ gleich mehrfach. Was für ein Mann! Was für ein Schicksal! Was für eine Kraft! Viktor Frankl überlebte neben Auschwitz mehrere KZs, verlor im Holocaust fast seine gesamte Familie, jedoch nie den Glauben an den Sinn seines Lebens und er fand seinen Frieden mit dem erlittenen Gräuel. Von Frankl lernte Walter Kohl, sein Leben sinnzentriert auszurichten und Frieden mit biographischen Belastungen zu finden. Weitere Kraftquellen sind für ihn die Stoiker, insbesondere Seneca, Epiktet und Marc Aurel sowie sein christlicher Glaube.  

Ein neuer Weg beginnt: Felix – oder das Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Walter Kohl ist überzeugt: Wir leben stets in drei Zeitzonen zugleich. Die Vergangenheit mit ihren Erfahrungen und ihrem erlernten Wissen konditioniert wie eine Brille, wie wir die Welt um uns sehen. Die Zukunft entwickelt dann Kraft, wenn wir Sinnvolles tun, wenn wir ein starkes „Wofür” in unserem Leben haben. In der Gegenwart schließlich wird unser Handeln stark und resilient, wenn wir zugleich aus einer befriedeten Vergangenheit und einer sinnzentrierten Zukunftsperspektive schöpfen können.

Der Weg der (einseitigen) Versöhnung

Doch wie kann der Weg in eine neue Lebenseinstellung gelingen? Dazu entwickelte Walter Kohl den Weg der einseitigen Versöhnung als Methode, um Belastungen der Vergangenheit dauerhaft in Frieden und positive Energie zu wandeln. Durch diesen Weg mit seinen fünf konkreten Schritten können viele alte, schmerzhafte Erfahrungen und Erlebnisse geheilt und in inneren Frieden und somit in neue Kraft für zukünftige Lebensgestaltung gewandelt werden. Die fünf Schritte lauten:

  1. Was ist mein Anliegen?
  2. Alles Auf den Tisch
  3. Den Energiewandel erleben
  4. Mein Friedensvertrag mit mir selbst
  5. Die neue Kraft im Fluss des Alltags nutzen

Weitere Erläuterungen sind auf www.walterkohl.eu/kernaussagen/der-weg-der-versoehnung zu finden.

Ermutigt von seiner zweiten Ehefrau Kyung-Sook Kohl schrieb er seine Erfahrungen auf und veröffentlichte 2011 sein erstes Buch „Leben oder gelebt werden“, welches zu einem Wendepunkt in seinem Leben und zu einem Bestseller wurde. Denn mit diesem Buch wurden alte Belastungen zu neuen Kraftquellen und er konnte am eigenen Beispiel erleben, wie gut der Weg der einseitigen Versöhnung funktioniert.

Sinn erkennen, Sinn stiften: Menschen und Unternehmen stärken

Nun kam Walter Kohl in seinem neuen Leben an. Einerseits als Unternehmer, der drei Start-ups erfolgreich aufbaute und verkaufte. Und andererseits als Coach, Autor und Unternehmensberater, der hilft, Menschen und Unternehmen zu stärken. Starke Menschen und Organisationen fallen nicht in die Hände von Ideologen und Verführern, sie werden somit zu Agenten von Frieden und Freiheit. Zu diesem Zweck gründete er die Firma KohlConsult, die vor allem für Familienunternehmen im Spannungsfeld zwischen Unternehmen, Unternehmer und Unternehmerfamilie tätig ist.

Zudem arbeitet er seit Anfang 2015 ehrenamtlich als Schirmherr von FRANS – dem Frankfurter Netzwerk Suizidprävention und ist seit 2020 Botschafter der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

„Opa, was hast du damals getan?“

2019 erfolgte ein weiterer Schritt. Die politische Entwicklung in Deutschland mit der spürbaren aktuellen gesellschaftlichen Radikalisierung, dem fortschreitenden Zerfall staatlicher Glaubwürdigkeit und Autorität sowie die Schwächung der Europäischen Union machen ihm große Sorgen. Er entschied sich, aktiv zu werden, auch, um seinen noch ungeborenen Enkeln einmal Rechenschaft ablegen zu können und auf deren Frage: „Opa, was hast du damals getan?“ eine Antwort geben zu können.

Im Februar 2020 veröffentlichte er sein Buch „Welche Zukunft wollen wir? Mein Plädoyer für eine Politik von morgen“. In diesem setzt er sich sorgfältig recherchiert und kritisch mit der derzeitigen Lage Deutschlands und Europas in einer Vielzahl von Politikfeldern auseinander. Das Buch betrachtet sowohl wirtschaftspolitische als auch sicherheits-, außen- und sozialpolitische Themen. Aber er möchte nicht nur auf die Missstände aufmerksam machen, sondern stellt in seinem „12-Punkte-Aktionsplan“ konkrete und umsetzbare Lösungen vor, um Deutschland und Europa weiter zu entwickeln und zukunftsfester zu machen. Parallel zu der Veröffentlichung gründete er die gemeinnützige Organisation „Initiative Deutschland in Europa“, in welcher er Menschen zusammenbringen will, die tatkräftig an einer beständigen und nachhaltigen Zukunftsfähigkeit Deutschlands arbeiten möchten. Walter Kohl ist überzeugt, dass unser Land und Europa eine grundsätzliche Neuorientierung in Richtung einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft brauchen, sonst werden wir weder die Folgen des Klimawandels noch die anstehenden politischen und sozialen Herausforderungen auf nationaler und internationaler Ebene meistern. Für diese Themen wird er sich weiter einsetzen. Für Walter Kohl bleibt der Weg das Ziel.


Anschaulich zeigt das Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine Skulptur der Wuppertaler Künstlerin Christiane Püttmann, welche Walter Kohl extra für sich anfertigen ließ. Felix – ein Freund und eine ständige Erinnerung an die Kraft der drei Zeitzonen.