Alles Personal Branding oder was...?

Susanne Wagner, Marketingleiterin der werdewelt, über die eigentliche Bedeutung des Modeworts „Personal Branding"


In einem Artikel auf Facebook habe ich neulich Tipps für Personal Branding entdeckt. Natürlich schaue ich sofort rein. Ist ja schließlich auch mein Thema. Normalerweise schreibt der Autor sehr kompetent über Karriereplanung und gibt wertvolle Bewerbungs-Tipps. Wie passt das zu Personal Branding?

Beim genaueren Lesen tauchen immer mehr Fragen auf: Ist eine gezielte Gestaltung der Social Media-Botschaften, die eine junge Berufseinsteigerin postet, schon „Personal Branding“? Ist es schon „Personal Branding“, wenn sie sich überlegt, wer in ihrem Konzern wichtig für ihre persönliche Karriere sein könnte? Und handelt es sich um „Personal Branding“, wenn sie sich überlegt, welche persönlichen und beruflichen Ziele sie verfolgt und daraus ihre Bewerbungsstrategie entsprechend aufbaut?

Nein, das ist kein Personal Branding – auch wenn der Begriff gerade im US-amerikanischen Bereich gerne dafür verwendet wird. Das ist eine konsequent zu Ende gedachte Berufs- und Karriereplanung – vielleicht auch noch Lebensplanung. Sicherlich wichtige Fragen, doch das hat mit Personal Branding meiner Meinung nach nur am Rande was zu tun. Ja, es geht darum, das Bild, das eine Person nach außen trägt, bewusst zu gestalten. Nur Personal Branding umfasst deutlich mehr und hat andere Konsequenzen.

Bei der persönlichen Karriere- und Lebensplanung bleibe ich in der Regel unterhalb des Radars in der Öffentlichkeit. Es geht nicht um Reichweiten und Bekanntheitsgrade. Nun ist es aber ein wesentliches Kennzeichen für eine Marke, dass relativ viele Menschen diese Marke kennen und damit ähnliche „Bilder“ verbinden. Eine Marke dient dazu, die Orientierung und den Entscheidungsprozess in einem unübersichtlichen Markt zu erleichtern. Sicher ist auch der Stellenmarkt ein unübersichtlicher Markt mit unzähligen Akteuren. Daher kann ich durchaus sehen, wenn wir hier ebenfalls davon sprechen, dass sich sowohl Bewerber als auch Unternehmen klar positionieren, also Position beziehen. Doch das macht sie noch nicht zur Marke. Eine Marke wird erst dann zu einer Marke, wenn sie einen entsprechenden Bekanntheitsgrad erreicht hat.

Liebe Kollegen: Personal Branding schwingt sich gerade zum Modewort auf. Das ist eine klasse Sache. Nur bitte lasst uns aufpassen, dass wir nicht Äpfel mit Birnen gleichsetzen. Lasst uns klar bleiben, wenn wir von Personal Branding sprechen und nicht zusätzlich für Verwirrung sorgen.

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