Die Marke Lindner – Der Pop-Politiker von nebenan

Die FDP ist auf Erfolgskurs. Die Partei und ihr Vorsitzender und Spitzenkandidat Christian Lindner sind momentan überall präsent. Klar, am 24. September ist Bundestagswahl, aber die FDP ist mittlerweile zu einer der präsenteren Parteien geworden. Und das liegt an Christian Lindner.


Unabhängig von den Inhalten – wer sich die Plakate der FDP anschaut, den Wahlwerbespot, die zahlreichen Hashtags, Memes, etc., der kommt nicht umhin zu denken: Gar nicht so schlecht. Irgendwie sogar cool.

Cool? Die FDP? Wann und wie bitte ist das passiert?
Am 22. September 2013 erlebte die FDP ihr persönliches Fiasko. 4,8 Prozent. Ein Debakel. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland schaffte die einstige „Königsmacherin“, die Freie Demokratische Partei, nicht den Einzug in das Bundestagsparlament. Am kommenden Sonntag ist wieder Bundestagswahl. Diesmal könnte aber alles anders ausgehen, dank der Christian-Lindner-One-Man-Show.

Während heute eher viele mit der FDP lachen, lachte man vor wenigen Jahren noch eher über die FDP. Sie war eine Partei, die jahrelang als kategorisch uncool und versteift galt, nicht zuletzt durch Politiker wie Rainer Brüderle, Guido Westerwelle und nicht zu vergessen Philipp Rösler, der zu einer beliebten und verlässlichen Lachnummer vieler Satiremagazine wurde.

Personal Brand Christian Lindner
Jetzt ist die FDP irgendwie cool und hip. Dank Christian Lindner. Und Dank Personal Branding. Denn die heutige FDP ist Christian Lindner und umgekehrt. Alles erstrahlt in einem neuen, frischen Look-and-Feel, in einem jungen Stil, in einem absolut verbindlichen Auftreten. Viele der anderen Parteien – eigentlich alle – kämpfen mehr oder minder mit denselben Problemen wie einst die FDP. Jetzt könnten die anderen von den Freien Demokraten sogar lernen.

Denn Christian Lindner hat erkannt, dass viele Menschen von der derzeitigen Politikkultur genervt und vor allem angeödet sind. Weil alles irgendwie gleich ist. Nicht nur in den politischen Inhalten, sondern vor allem im Verkaufen dieser. Wie sich Politiker darstellen und präsentieren. Lindner durchbricht diese Langeweile und zeigt, was vielen Politikern fehlt: Persönlichkeit.

Was aber haben die FDP und Lindner anders gemacht?
Sie haben das Wahldebakel von 2013 genutzt und sich selbst den Spiegel vorgehalten. Sie haben sich über ihre eigene Partei Klarheit verschafft. Sie haben sich dann – auf Initiative und Drängen Lindners hin – grundlegend verändert. Sie haben einen persönlichen Relaunch gemacht.

  1. Sie haben ihr Gewand erneuert: Blau und Gelb sind deutlich heller und knalliger geworden, hinzugekommen ist auch noch Magenta. Die Corporate Identity der Partei schreit nach Jugendlichkeit und vor allem nach Aufmerksamkeit.
  2. Sie haben sich einen neuen Namen gegeben: Aus »Die Liberalen« sind »Freie Demokraten« geworden.
  3. Sie haben sich eine neue Markenidentität gegeben: Die Christian Lindner-ID.

Top inszeniert
Lindner ist so erfolgreich, weil er Personal Branding verstanden hat und weiß, wie er sich inszenieren muss. Er verkauft die Inhalte seiner Partei, indem er zunächst einmal sich selbst verkauft. Sein Konterfei prangt gekonnt in Schwarzweiß auf den FDP-Plakaten. Ein bisschen verwegen mit Drei-Tage-Bart, Hundeblick. Das Hemd ist immer aufgeknöpft, auf manchen Plakaten trägt der lässige Lindner nicht mal ein Sakko. Lindner wirkt nahbar, er wirkt smart, er wirkt wie jemand, dem man vertrauen könnte, dem man gerne etwas abkauft.

Der die Zielgruppe versteht ...
Zudem hat Lindner das Internet verstanden und spricht damit gezielt junge Menschen an. Seine eigenen Tweets signiert er mit CL, stammen sie mal nicht von ihm, sind sie mit TL, also Team Lindner, signiert. Transparenz, die gut ankommt. Bei Twitter hat er 180 Tausend Follower. Ob #ThermiLindner oder #Kuhkrawatte – Lindner ist immer wieder für einen Spaß zu haben.

Er wirkt authentisch und unangestrengt. Er ist jung, sieht gut aus und ist persönlich. Ein „Pop-Politiker“, wie sie momentan Konjunktur haben: Der kanadische Premierminister Justin Trudeau ist nicht nur wegen seiner Weltoffenheit, sondern auch wegen seines jugendlichen, guten Aussehens und seiner lockeren Art beliebt. Der junge französische Staatspräsident Emmanuel Macron wurde nach dem Besuch eines U-Boots – für den er sich von einem Hubschrauber abseilen ließ – als der nächste Bond gefeiert.

Und auch der Wahlwerbespot der Freien Demokraten zeigt, warum die Partei wieder auf einer Erfolgswelle surft: In schnellen Schnitten und mit einem schnellen Beat wechseln diverse Schwarz-Weiß-Bilder von Graffiti, Schienen, Gemüse, Gebäuden, Menschen bei der Arbeit, Demonstrationen. Durchbrochen werden die Mood-Bilder von Schrift in knalligem Gelb und Magenta und natürlich: Christian Lindner. Immer wieder Lindner. Frontal, mal aus dem Bild herausschauend, nachdenklich, im Auto sitzend, im Flugzeug, Lindner irgendwo draußen an einem Fluss, in der Natur, Lindner hält eine Rede vor Menschen, Lindner trinkt Kaffee und Espresso ...

It’s all about Lindner.
Und deswegen hat die FDP im nächsten Wahlgang gute Chancen, mehr als nur 4,8 Prozent der Stimmen zu erhalten. Wegen Lindner. Und wegen Personal Branding. Schauen wir mal.

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