Speaking allein macht nicht satt

Zwischen 3.000 und 5.000 Euro in einer Stunde verdienen? Oder gar noch erheblich mehr? Für einen Großteil der Bevölkerung ist selbst der kleinere Betrag ein nettes Sümmchen als Monatsverdienst. Und ein Vortragsredner oder Speaker soll das in nur 60 Minuten verdienen? Hier scheint die Lösung für Geldprobleme zu liegen. Doch wir sagen: Speaking allein macht nicht satt!


Wer schon mal auf Messen, Kundenveranstaltungen, Tagungen oder ähnlichen Events war, kennt Vortragsredner nur zu gut. Und wer einmal vergleicht, was für Menschen auf einer Bühne stehen, hat auch da sicher große Unterschiede kennengelernt. Während der eine das Publikum begeistert - Steve Jobs war so ein Typ - gelingt es dem anderen nicht einmal, dass die Leute sitzenbleiben. Hierfür wollen wir jetzt keine Namen nennen. Es ist so schon peinlich genug für den Vortragsredner. Fakt ist: Wer nicht reden kann, wird nicht mehr gebucht. Den probiert man nur einmal aus. Schließlich hat man als Veranstalter die Verantwortung dafür, dass die Gäste zufrieden und im besten Fall verblüfft sind. Allein das setzt schon einiges an Können voraus, welches der Speaker mitbringen sollte. Doch nicht jeder ist dafür "geboren" - und sollte es deshalb besser lassen.

Nur wenige sind Meister ihres Fachs
Keine Frage: Die Großen ihres Fachs beherrschen ihr Metier. Und das merkt man. Sie gehen sprichwörtlich auf in ihrem Thema, sie begeistern die Menschen durch ihre Präsenz und Darbietung und flashen mit ihren Worten. Sie bleiben auch nach ihrem Vortrag noch lange in Erinnerung. Doch genau das kann nicht jeder, der sich auf eine Bühne stellt und meint, es diesen Speakern nachmachen zu können.

Es gehört intensives Personal Branding dazu
Es gibt Speaker, die gehen nach einer Stunde Rede mit 400.000 Euro nach Hause. Oder noch viel mehr. Tatsache. Und die haben nicht "von Haus aus" einen VIP-Status wie Politiker, Schauspieler oder Sportler. Doch bis dahin hatten auch diese Speaker einen langen und sicher auch steinigen Weg hinter sich. Sie mussten sich erst einen Namen erarbeiten. Sie mussten ihre Person branden, um überhaupt auf dem Markt Fuß zu fassen. Dazu mussten sie sich auf ein Thema spezialisieren, welches

  1. ihrer Expertise und Leidenschaft entspricht,
  2. so stark mit ihrer Identität verwurzelt ist, dass es authentisch rüberkommt und
  3. interessant für den Markt ist.

Eine Triple-Herausforderung sozusagen, die über die Jahre aufrecht erhalten bleiben und zusätzlich noch ausgebaut und immer wieder angepasst werden muss. Was, wenn das Thema "ausgelutscht" ist? Was, wenn sie sich selbst weiterentwickeln und nicht mehr zu 100 Prozent hinter dem stehen, was sie auf der Bühne präsentieren? Was, wenn ihre Leidenschaft woanders hingeht?

Permanentes Nachjustieren: "Bin ich noch auf Spur?"
Wir haben Speaker erlebt, die den Absprung - beziehungsweise das Anpassen auf die Veränderungen des Markts und/oder die Veränderungen mit sich selbst - nicht gewagt haben. "Es läuft doch!" Ja ... jetzt vielleicht noch. Doch was ist im nächsten Jahr oder im übernächsten? Ist da das Thema noch gefragt? Den Markt und sich selbst muss man immer im Auge haben. Eine Neuausrichtung kostet ihre Zeit. Man kann nicht davon ausgehen, mit einem neuen Thema sofort wieder auf der Welle zu schwimmen, wie man es womöglich in den letzten Jahren gewohnt war. Viele Speaker vergessen das.

Immer angreifbar
Wer auf einer Bühne steht, bekommt direktes Feedback. Sei das in Form von Applaus oder von Zuhörerfluktuation während eines Vortrags. Von unangemessenen Zwischenrufen oder Ausbuhen ganz zu schweigen. Das muss man auch erst mal ertragen können. Ein Speaker steht in der Öffentlichkeit, liest womöglich am nächsten Tag die Kritiken in der Tageszeitung oder hört etwas über seine Person im Fernsehen. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man Speaker werden möchte. Allein durch die Spezialisierung und das eigene Standing wird man Befürworter und Gegner haben. Everybody's Darling wird nicht funktionieren. Menschen wollen Persönlichkeiten sehen, die hinter dem stehen, was sie sagen. Das macht angreifbar. Immer.

Erste-Klasse-Abteil ist nur für erste Klasse
Gute Leistung wird gut bezahlt. Spitzenleistung wird spitze bezahlt. Doch Spitzenleistung bringen nur wenige und die können gut vom Speaking leben. Sehr gut sogar. Doch die meisten Vortragsredner werden bezeugen können: Speaking allein macht nicht satt. Versuchen Sie nicht, auf diesen Zug aufzuspringen, wenn Sie nicht erste Klasse sind - vor allem dann nicht, wenn Sie davon leben wollen. Für alle anderen ist Speaking - sofern sie es können - ein Instrument, um Bekanntheit aufzubauen und Akquise zu betreiben. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Überlassen Sie das Erste-Klasse-Abteil den Top-Speakern. Die können es sich leisten.

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